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Buchtipp: Vierfleck oder Das Glück

Katharina Geiser: Vierfleck oder das GlückDie Künstlerszene des frühen 20. Jahrhunderts erfuhr in der Literatur der letzten Jahre große Aufmerksamkeit und dieser Trend ist ungebrochen. Auch in Vierfleck oder das Glück begegnen wir Figuren wie Benn, George, von Hofmannsthal, Mühsam oder Thomas Mann. Doch sind sie in diesem Roman nur Nebenfiguren einer bemerkenswerten Geschichte

Erzählt wird die Lebensgeschichte von Eugen Esslinger (1871-1944) ab Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts. Als homosexueller Miederwarenfabrikantensohn aus Bayern geht er eine Scheinehe mit der aus einfachen Verhältnissen stammenden Mila Rauch (1886-1972) ein. Mila Rauch unterhält ihrerseits eine lebenslange Affäre mit dem Indologen Heinrich Zimmer (1890-1943 ), aus der drei Kinder entstehen. Eugen zieht die Kinder jedoch – bis zud em zu erbringenden Ariernachweis – als seine auf. Heinrich Zimmer wiederum heiratet Christiane von Hofmannsthal (1902-1987), Tochter des Dichters. Eugen ist anfangs wohlhabend, weiß aber nicht viel mit sich anzufangen. Er reist durch Europa, versucht dieses und jenes (u.a. auch, in den USA Fuß zu fassen) und verliert in den zwanziger Jahren sein Vermögen. Fortan ist es nicht mehr ganz so einfach für die Familie durchzukommen. Sie leben mitunter in geradezu ärmlichen Verhältnissen und sind oft auf andere angewiesen. Katharina Geiser erzählt in heiterer Art und Weise und einer poetischen und erfindungsreichen Sprache in kurzen, zeitlich durcheinandergewürfelten Abschnitten, woran man sich etwas gewöhnen muss. Maya Rauch (1925-2008), die Tochter von Mila und Heinrich, stellte der Autorin neben anderen Dokumenten vor allem Briefe zur Verfügung, die sich Mila und Heinrich während langen Beziehung einander beinah täglich schrieben.

Katharina Geiser: Vierfleck oder Das Glück. Roman. Jung und Jung Verlag 22.00 Euro reservieren