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Das Kaninchenhaus – unser Tip zur Frankfurter Buchmesse

Argentinien ist diesjähriger Länderschwerpunkt der Frankfurter Buchmesse. Eines der wichtigsten dazu erschienenen Argentinien-Bücher ist „Das Kaninchenhaus“. Die in Frankreich lebende Autorin Laura Alcoba erzählt darin von einer bedrückenden Kindheit im Argentinien der 70er Jahre.

„Ich werde von diesem argentinischen Wahnsinn schreiben und von den Menschen, die durch seine Gewalt zerstört worden sind. Ich habe mich endlich dazu entschlossen, weil ich oft an die Toten denke, aber auch, weil ich weiß, dass man man die Überlebenden nicht vergessen darf. “ – Eine Frau in einem Zwiegespräch mit einer anderen Frau, einer Freundin, wie es scheint. Lange habe sie gezögert, doch nun, nach einer Reise zurück nach Argentinien, sei die Zeit gekommen.

Und so erzählt ein 7jähriges Mädchen von den letzten beiden Jahre, die es in Argentinien verbrachte. Wie Fenster klappen die Erinnerungen auf, die sie an diese Zeit 1975/76 hat. Bruchstückenhaft berichtet Laura von ihrem Haus am Stadtrand, von der Falltür, hinter der Waffen und Zeitungen versteckt sind. Wie sie den Vater im Gefängnis besuchte. Wie sie irgendwann nicht mehr zur Schule gehen durfte. Vom Umzug in das Kaninchenhaus. Von den Versammlungen.

Im Kaninchenhaus am Rande von La Plata werden Kaninchen gezüchtet. In Wirklichkeit verbirgt sich darin jedoch eine geheime Druckerei, in der Lauras Mutter unzählige Flugschriften gegen die Militärdiktatur druckt, denn Lauras Eltern gehören den Montoneros an, einer bewaffneten Untergrundorganisation in Argentinien.

Für Laura ist das Kaninchenhaus ein verzaubertes wie auch bedrohliches Zuhause. Viele Dinge sind geheimnisvoll, viele versteht sie nicht. Doch sie darf an der Welt der Erwachsenen teilhaben. Bei den geheimen Versammlungen darf sie Mate verteilen und sie kennt die Namen der Anführer. So ist sich Laura zwar mit einem altersunüblichen Verständnis der äußerst gefährlichen Situation bewusst, genießt aber auch auf kindlich-naive Art das Versteckspiel im Kaninchenhaus. Der Leser muss ausfüllen, was zwischen den Bruchstücken von Lauras Erinnerungen offen bleibt, was Laura nicht weiß, was auch der Leser nicht weiß. Es ist berührend und beängstigend, wie nah das Mädchen tagtäglich der Entdeckung und dem Tod gekommen ist.
Das Buch erinnert mit seiner leisen klaren Sprache an Romane wie „Die Analphabetin“ von Agota Christof oder „Das Leben der Wörter“ von Brigitte Giraud.

Laura Alcoba, geboren 1968 in Argentinien, folgte mit zehn Jahren ihrer Mutter ins französische Exil. Sie arbeitet heute als Universitätsdozentin. Der Roman „Das Kaninchenhaus“ erschien zuerst 2007 in Frankreich.

Beate Klemm über „Das Kaninchenhaus“ im Interview auf radioeins.

alcoba_kaninchenhaus Laura Alcoba
Das Kaninchenhaus
Insel Verlag 14.90 Euro
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