Nur noch wenige Tage ist es hin, dann werden die ersten Neuerscheinungen der Frühjahrs-Saison in unseren Buchregalen liegen – fast alles Hardcover. Damit den noch abwartenden Lesern nicht das Futter ausgeht, veröffentlichen die Verlage jetzt aber auch viele Taschenbücher: die Hardcover der vor- oder vorvorletzen Saison. Über drei von ihnen freuen wir uns besonders:
Januar. Neue Taschenbücher
Ein besonderer Tipp von Beate
Kurt Gerron: Ufa-Star der 20er und 30er Jahre, Jude, Regisseur eines Nazi-Propagandafilms über Theresienstadt. Ein Schicksal, das den Autoren Charles Lewinsky nicht losgelassen hat. Ein Buch, das die kleine Chefin nicht losgelassen hat.
Drei Lesetipps für Tens und Teens
Fachleute haben beobachtet, dass die ersten Urlaubstage ziemlich stressig sind. Wegen der Umstellung auf Urlaubsmodus. Mit den ersten Ferientagen unserer jungen Mitmenschen dürfte das nicht anders sein. Doch die sind nun vergangen – keine Ausrede mehr, sich nicht doch mal ein Buch zu Gemüte zu führen, ein gutes natürlich. Hier eine kleine Auswahl.
Senioren, Könige und Demenz
Residenz Les Bégonias hört sich schön an. Es ist aber nur ein ganz normales Seniorenheim – mit ganz normalen Bewohnern. Da ist Madama Alma, die von zwei Mitgenossinnen vergöttert wird, welche sich aber untereinander nicht ausstehen können. Da ist Nini (Madame Lieber), die nur noch von ihrer Enkelin besucht wird und mit sich selbst im Unreinen ist. Da ist Kapitän Dreyfus, ein ehemaliger Eisenwarenhändler, der Fluchtpläne schmiedet und viele andere mehr.
Buchtipp! Birgit Vanderbeke: Das lässt sich ändern
Das lässt sich ändern erzählt von Adam und der Erzählerin. Irgendwann einmal lernten sie und Adam sich kennen. Adam Czupek war einer von draußen. Nicht nur, dass der Dreck unter seinen Fingernägeln nicht mehr abging, er stammte auch aus einer Familie, die einfach zu viele Kinder hatte und wo die Mutter schon mal im Nachthemd auf die Straße ging.
Tanja Dückers: Hausers Zimmer
West-Berlin 1982. Die 14-jährige Julika wohnt mit ihren Eltern und ihrem Bruder Falk in einer riesigen Altbau-Wohnung. Ein Labyrinth, das neben seinen Bewohnern auch noch jede Menge – zum Teil raumgreifende – moderne Kunstwerke beherbergt. Julikas Mutter ist Übersetzerin schwedischer Jugendbücher, ihr Vater ein fein gekleideter Kunstkritiker.
Buchtipp: Shanghai Performance
Luisa hat es geschafft. Sie ist Assistentin von Margot Wincraft geworden, der Künstlerin, die sie so verehrte und über die sie sogar ihre Doktorarbeit geschrieben hatte. Luisa erzählt von Kunst, Parties und gelegentlichen Seitensprüngen. Bis jetzt hatte sie sich in dieser anspruchsvollen Welt wohl gefühlt. Doch nun hat sich ihr Freund Christoph von ihr getrennt – und ausgerechnet jetzt soll sie ihre Chefin nach Shanghai begleiten, denn dort ist eine neue Performance geplant.
Unser Buchtipp: Die hellen Tage – von Zsuzsa Bank
Seri kennt Aja schon immer. Es gibt keine Erinnerung an eine Zeit vor Aja. Irgendwann stößt Karl zu ihnen. Gemeinsam bilden sie ein unzertrennliches Freundschaftsdreieck. Die Tage ihrer Kindheit in Kirchblüt, einer süddeutschen Kleinstadt in den 60er Jahren, sind hell, unbeschwert. Auch wenn ihre überschaubare Welt durchaus nicht heil ist und sich von dem, was üblich ist, unterscheidet.
Michel Bergmann: Die Teilacher
Hat Michel Bergmann alle hinters Licht geführt? Die Teilacher heißt sein Roman, und sicherheitshalber ist auf dem Klappentext auch gleich eine Worterklärung* abgedruckt. Ein Buch mit einer Erklärung des Titels? Ein Wort das Wikipedia nicht kennt – genauso wenig wie die allwissende Tante Google?
Das ist … Tschick!
Tschick von Wolfgang Herrndorf ist in aller Munde – zurecht. Wir haben es gelesen und finden, dass man auf 250 Seiten kaum mehr Spaß haben kann.
Herrndorfs Romane haben die Eigenart, topografische Gegebenheiten Berlins mitunter zu ignorieren, was den Berliner mitunter etwas irritiert. Absicht? Wichtig? Unwichtig? Egal, in seinem Roman Tschick hat Herrndorf zwei liebenswert-orientierungslose Helden geschaffen.