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An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts – Buchtipp

 

10-002470-1_Schimmelpfennig_Januarmorgen_bux_U1_fin.inddWas birgt mehr Erwartungen, als der Beginn eines neuen Jahrtausends? In Roland Schimmelpfennigs Roman beginnt das neue Jahrtausend eiskalt. Die Welt ist in einen Mantel aus Frost gehüllt und wer hinausgeht, muss mit dem Schlimmsten rechnen. Ein Tanklastzug explodiert auf der Autobahn, ein Jäger stirbt auf seinem Hochsitz den Herztod und ein Wolf erreicht über die zugefrorene Oder das westliche Ufer. Hier und da werden seine Spuren gefunden und bald titeln die Zeitungen der Hauptstadt: ein Wolf geht um in Berlin und im Umland.

Das Leben der Menschen verlässt die gewohnten Bahnen. Junge und Mädchen gehen weg aus ihrem heimatlichen Dorf, nach Berlin. Der Vater geht weg aus der Psychiatrie, um den Jungen zu suchen. Die Mutter geht weg aus ihrer dörflichen Künstlerklause, um das Mädchen zu suchen. Das junge polnische Paar geht auseinander. Eine Tochter muss sich mit dem Tod der ungeliebten Mutter auseinandersetzen.

Die Figuren in Schimmelpfennigs Roman sind einsam. Ihr Leben ist an einen Punkt gekommen, an dem es nicht mehr weiter geht. Doch sie brechen auf, suchen Spuren, allein und rastlos, manchmal wissend, dass sie nicht nach Hause kommen werden. Es zieht sie in die Stadt, wie den Wolf, der ganz Berlin in Aufregung versetzt. Sie suchen die Nähe und halten sie oft doch nicht aus.

Vorsichtig hat der Autor die Wege seiner Figuren miteinander verwoben. Manchmal berühren sie sich, doch häufig gehen sie auch einfach wieder auseinander. Kühl und distanziert beschreibt er ihre Suche in einer völlig unwirtlichen Welt. Wie Nomaden ziehen sie umher und spiegeln damit auch die gegenwärtige Verfasstheit unserer Welt. Doch sind die einzelnen Schicksale nicht immer perspektivlos. Während einige auf der Strecke bleiben, schließen andere mit der Vergangenheit ab und wagen einen Neuanfang in unbekannter Richtung.

Ein starker und atmosphärischer Roman auf der Bühne von Deutschlands aktuell meistgespieltem Gegenwartsdramatiker.

Roland Schimmelpfennig: An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts. S. Fischer  19.99 Euro – reservieren

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