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Alles Reisen nur Remix?

War es das Brückentags-Wochenende oder das gute Wetter der letzten Tage oder beides, dass sich bereits so etwas wie Urlaubsstimmung in der Stadt breit macht? Vorfreude auf: verreisen? Doch manche Leute verreisen nicht gern – gut, ihre Sache. Aber bei einem Reisemagazin sollten sie dann wohl besser nicht arbeiten

W. ist ein sehr guter Reisereporter für ein hoch exklusives Reisemagazin. Seine letzte Reportage war über den Diamond Country Club in Nordkorea. Golf spielen in Nordkorea, da glänzten die Augen seines Chefs Florian von Andersheim. Das gab es noch nie, großartig. So, wie auch seine anderen Reportagen in den Chef-Augen Glanz, in den Augen der Kollegen eine Mischung aus Neid und Bewunderung erzeugten.

Als jedoch die nordkoreanische Botschaft an seinem Artikel einiges zu bemängeln hat, gibt es, gelinde gesagt, einen Skandal: W. hatte für seine Artikel bisher keine einzige Reise unternommen.  Er schaffte es noch nicht einmal über die Grenze nach Westberlin, auch wenn es sie seit 20 Jahren nicht mehr gab. Denn für W. stand fest „Nicht fördernd ist es, wohin zu gehen.“ Aber W. muss nun diese nicht-fördernde Maßnahme ergreifen und gehen, nämlich aus dem Büro und aus seiner Stadt und immer weiter fort.

Was ist der Unterschied zwischen einer gemachten und einer nur vorgestellten Reise? Und ist es nicht so, „dass die Welt überall gleich sei, und zwar deshalb, weil man sich selbst immer mitnehmen müsse“, wie Wieland in seinem Vorgängerbuch „Ich schlage vor, dass wir uns küssen“ schrieb? – Keine Angst.  Kein Feuer, das nicht brennt wird nicht philosophisch, es nimmt nur unsere Reiselust etwas auf die Schippe. Wo andere einen Verkehrsstau am Mount Everest (SPON 21.05.12) oder extrem kalte Füße („Barfuß über die Alpen“. Bergverlag Rother, Dezember 2012) in Kauf nehmen, landet W. mit einem freundlichen Mix aus Lexikon, Internet und alten Landkarten größte Erfolge – eine Zeit lang zumindest.

Eine luftige Reportage über einen Reisereporter.  Geschrieben mit großer Fabulierkunst, einer Prise Misanthropie und viel Augenzwinkern.

Rayk Wieland: Kein Feuer, dass nicht brennt. Kunstmann 2012 16.95 Euro reservieren

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